Bewusstseinsbildung zum Thema Globalisierung

Von Christine Pertele (GPF)
Zielsetzung: Das Bewusstsein für globales Denken schärfen und dadurch zum globalen Handeln anregen. Erkennen ob und wann wir durch die Globalisierung selbst gefährdet sind oder durch unser Verhalten zur Gefahr werden, aber auch die Chancen verstehen und nützen, welche uns die Globalisierung bietet.

Zielgruppe: Mitglieder der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF). Alle Menschen, welche sich ihrer globalen Verantwortung bewusst sind, aber auch die Vorteile der Globalisierung gebrauchen wollen, um weltweit mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen.

Methode: Regelmäßige Beiträge zu Globalisierungsthemen in Newsletters an GPF-Mitglieder, Artikel in der GPF-Compact, Referate über Globalisierung vor GewerkschaftsfunktionärInnen und BetriebsrätInnen.

Themen: Was bedeutet Globalisierung für jede(n) von uns? Wann hat sie begonnen? Ist Wachstum die Lösung oder kann Konsumverzicht manchmal besser sein? Können wir uns der globalisierten Welt überhaupt entziehen? Diese Frage beantwortet Martin Luther King ganz klar: „Noch bevor du dein Frühstück aufgegessen hast, warst du schon auf die halbe Welt angewiesen.“

 

Wie global ist mein Unternehmen? Wo ist es mit Produkten oder Tochterfirmen präsent? In welcher Form wirkt sich diese Präsenz aus? Woher kommen die nötigen Ressourcen? Trägt mein Unternehmen in anderen Ländern zur Wertschöpfung und zum Wohlstand der Bevölkerung bei? Oder beutet es ArbeitnehmerInnen aus und verschmutzt die Umwelt? Welche Wertschöpfungskette steht hinter dem Endprodukt? Gibt es verbindliche Codes of Conduct für Zulieferer? Wie wird deren Einhaltung überwacht? Diese und viele weitere Fragen sollten vor allem GewerkschafterInnen, BetriebsrätInnen, aber auch alle anderen MitarbeiterInnen ihrem Management stellen. Ein Blick auf die Homepages von NGOs wie „Südwind“ oder „weltumspannend arbeiten“ hilft die Problemstellungen zu erkennen.

 

Was sind Menschenrechte? Wo sind diese festgelegt? Von welchen internationalen Konzernen und in welchen Ländern werden sie immer noch missachtet? Welchen Gütesiegeln kann ich vertrauen? Die acht Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind in allen wichtigen Menschenrechtsabkommen verankert. Dennoch werden sie auch von bedeutenden europäischen Unternehmen missachtet. Die Preise mancher alltäglicher Konsumgüter wie Kaffee werden durch Kinderarbeit niedrig gehalten. Setzen sich GewerkschafterInnen und Mitglieder von NGOs für diese Kinder ein, werden sie verhaftet oder mit dem Tod bedroht. Nur wenige Gütesiegel, wie „Fair Trade“ garantieren, dass Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Umweltschutzbestimmungen tatsächlich eingehalten werden, indem diese durch eine Zertifizierungsstelle laufen überwacht werden.

 

Findet der Klimawandel wirklich statt? Wer sind die HauptverursacherInnne? Gibt es Klimagerechtigkeit oder nur rücksichtlose GewinnerInnen auf der einen und hilflose VerliererInnen auf der anderen Seite? Zehn Prozent der Weltbevölkerung verursacht 50 Prozent der CO2-Emissionen. Wir gehören dazu! Der Klimawandel ist eine direkte Folge von Mobilität und Güterkonsum. Scheinmaßnahmen wie die Einführung von Biosprit verschärfen die Probleme, anstatt sie zu lösen. Die Industrieländer versuchen Strafzahlungen für den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, ohne die wahre Ursache zu bekämpfen, während die einheimische Bevölkerung in Mais anbauenden Ländern hungert.

 

Ermöglicht die Globalisierung weltweite Krisen? Die Finanzkrise – ausgelöst durch entgrenzte Finanzmärkte mit pervertierten Finanzprodukten – beantwortet diese Frage. Der von skrupellosen Bankern und Spekulanten künstlich angeheizte amerikanische Immobilienmarkt führte nach seinem Zusammenbruch unmittelbar zur weltweiten Finanzkrise. Banken- und Wirtschaftsrettungspakete trugen ebenso wie Steuerverweigerer in großem Stil ihren Anteil zur allgemein steigenden Staatsverschuldung bei. Zu deren Folgen gehören nicht nur Sparpakete, welche in allen Staaten vor allem die ArbeitnehmerInnen und PensionistInnen treffen, sondern auch der Absturz von Ländern wie Griechenland oder Spanien in Armut und Chaos! – Was können wir dagegen tun?

 

Die Globalisierung bietet den ArbeitnehmerInnen die Chance sich zu wehren. Wenn wir ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge und internationale Verflechtungen entwickeln, sind wir nicht mehr der permanenten Gehirnwäsche neoliberaler Akteure ausgeliefert. Global verfügbare, moderne Medien wie Internet oder Mobiltelefonie bieten uns die Chance auf Informationen aus aller Welt und über alle Bereiche nahezu zum Nulltarif. Wir ArbeitnehmerInnen können uns global vernetzen, weltweite Protestaktionen starten und Druck auf PolitikerInnen ausüben. Organisationen wie Attac oder das World Social Forum unterstützen uns dabei. Auslandsaufenthalte helfen uns, die Probleme anderer Kulturen zu zu verstehen und auch selbst verstanden zu werden. Verantwortungsvoller Konsum und das Ziel der Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen führen zu einer gerechteren Welt. Intenationale Solidarität aller ArbeitnehmerInnen ist das Gebot der Stunde. Die Globalisierung gibt uns diese Chance!