Projekt „Nachhaltigkeit und Globalisierung“

Zwischen Mai 2011 und März 2012 wurden im Österreichischen Austauschdienst (OeAD-GmbH) mehrere Veranstaltungen zum Themengebiet „Nachhaltigkeit und Globalisierung“ durchgeführt. Die Veranstaltungsreihe wurde durch den Lehrgang „Global denken, global handeln“ initiiert und zusammen mit den Betriebsratskörperschaften im OeAD umgesetzt.

Der erste Vortrag von Günther Jedliczka, Geschäftsführer der OeAD-Wohnraumverwaltungs-GmbH, mit dem Titel „Passivhäuser und globale Energieprobleme“ zeigte globale Zusammenhänge im Bereich Energie sowie Möglichkeiten von Passivhausbauten und ressourcenschonendem Handeln im Alltag auf.

Anhand von Beispielen veranschaulichte Jedliczka die Verknüpfung von Klimawandel, Verschuldung, mangelnder Gleichberechtigung, Überbevölkerung, Krieg, Wachstum, Einkommensschere, Arbeitslosigkeit, Politik, Armut und Hunger. Mit Daten zur Nutzung von Ressourcen wie Erdöl/-gas und jenen zur globalen Erwärmung zeigte er auf, wie drastisch beides v. a. in den letzten hundert Jahren angestiegen ist.

Die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit brachte Jedliczka zur Passivhausbauweise, die er als Leiter der OeAD-Wohnraumverwaltungs-GmbH erfolgreich umsetzt. Die Häuser der OeAD-Wohnraumverwaltung waren die ersten Studierendenheime in Passivbauweise. Insgesamt liegt Österreich mit dieser alternativen Bauweise gemeinsam mit Deutschland international an der Spitze.

Andreas Obrecht, Leiter der Kommission für Entwicklungsfragen (KEF) im OeAD, ging in seinem Vortrag mit dem Titel „Armut im globalen Kontext“ zunächst auf seine persönlichen Erfahrungen bei seinen Forschungstätigkeiten im Südpazifik, im subsaharischen Afrika und in Südostasien ein. Er stellte fest, dass die Wirtschaftskrise zu einer Veränderung der Welt beigetragen hat. Beispielsweise ist die Weltwirtschaft erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges geschrumpft. Zentrale Problemfelder stellen die Grenzen des Wachstums in Hinblick auf natürliche Ressourcen und die Ungleichverteilung (von Reichtum, Sicherheit) dar.

Nach der Erklärung von Armutsindikatoren ging Obrecht auf die Situation im subsaharischen Afrika, das von der Krise besonders stark betroffen ist, und auf die Auswirkungen der Krise auf die am wenigsten entwickelten Länder (derzeit leben etwa 1,5 Mrd. Menschen oder 21 Prozent der Weltbevölkerung mit weniger als 1 Euro pro Tag) ein. Die zentrale Herausforderung sei, nachhaltige Formen der Bewirtschaftung zu realisieren, um das Überleben der Menschheit zu gewährleisten. Die Eliminierung extremer Armut und der Ungleichverteilung sind dafür Voraussetzung!

Hubert Dürrstein, Geschäftsführer der OeAD-GmbH, begann seinen Vortrag mit dem Titel „Nachhaltigkeit im Alltag“ mit den Ergebnissen einer Studie nach der lediglich ein Viertel der Befragten mit dem Begriff Nachhaltigkeit Inhalte verbinden können. Das Thema ist für 36 Prozent relevant, 6 Prozent der Befragten geht das Thema allerdings bereits auf die Nerven.

Dürrstein spricht den Ursprung des Begriffes Nachhaltigkeit bzw. erste Konzepte im Bereich der Forstwirtschaft an. Zu Beginn der 1980er Jahre taucht erstmals der Begriff „CSR“ (Corporate Social Responsibility) auf, der zunehmend in der Wirtschaftswelt Fuß fasst.  Ein grundlegendes Prinzip dabei, anstatt eines reinen Shareholdervalue-Ansatzes stärker dem Dreisäulenmodell der Nachhaltigkeit zu folgen und vermehrt ökologische und soziale Parameter zu beachten.

Als Schwächen der CSR-Idee nennt Dürrstein zum einen die Freiwilligkeit dieses Ansatzes und zum anderen das immer wieder feststellbare „greenwashing“, das primär dazu dient, Nachhaltigkeit für Werbezwecke zu verwenden, um beispielsweise Produkte oder Events mit einen Touch der Nachhaltigkeit und einem ökologischen wie sozialen Werteanspruch zu versehen, ohne dass diese bereits den kolportierten Ansprüchen genügen. Trotzdem sieht Dürrstein für die Zukunft ganz gute Chancen, für das Thema Nachhaltigkeit weiter zu sensibilisieren. Topunternehmen präsentieren zunehmend jährliche Nachhaltigkeitsberichte, aber es sind in Österreich immer noch rund 80% der Betriebe, die sich noch nicht in dieser Form präsentieren. Wie auch der internationale Vergleich deutlich macht, ist Aufklärungs- und Handlungsbedarf angezeigt.

Der Betriebsausflug im Jahr 2011 fand ebenfalls im Zeichen der Initiative „Nachhaltigkeit und Globalisierung“ statt. Der Betriebsausflug führte die Belegschaft unter anderem zu Arche Noah nach Schiltern. Die Initiative Arche Noah, die in der Nähe des Schlosses Schiltern angesiedelt ist, versucht seit zwei Jahrzehnten Wissen um alte Kulturpflanzen zu erhalten. Im Schaugarten ist zu sehen, wie alte Kulturpflanzen genutzt und die Vielfalt an Pflanzen erhalten werden kann. Die biblische Arche Noah rettete bedrohte Tiere – die Arche Noah in Schiltern hat sich der Rettung der Flora verschrieben. Der Schaugarten wird jedes Jahr mit hunderten Gemüsesorten bebaut, teils zu Schauzwecken, teils zur Vermehrung und Erhaltung der Sortenvielfalt, die viele Raritäten beinhaltet.

Im Oktober 2011 wurde die Wanderausstellung „Global arbeiten, global handeln!“ im OeAD-Haus gezeigt. Pia Lichtblau von „Weltumspannend arbeiten“ des ÖGB hat die Ausstellung mit Ausführungen zum Konzept „Menschenwürde Arbeit“, zum Projekt „Menschenwürdige Arbeit für menschenwürdiges Leben“ und zur Wanderausstellung, die im Rahmen des Projektes erarbeitet wurde, eröffnet.

Das Konzept „Menschenwürdige Arbeit“ (engl. „decent work“) beruht auf einer Erkenntnis, die Gewerkschaften schon seit langem vertreten: Menschenwürdige und produktive Arbeit für Frauen und Männer, in Freiheit, Gleichheit, Sicherheit und Würde ist der Schlüssel zu Armutsbekämpfung und gesellschaftlichem Wohlstand.

Das Projekt „Menschenwürdige Arbeit für menschenwürdiges Leben“ beschäftigt sich damit, dass multinationale Konzerne, aber immer mehr auch kleinere Unternehmen, Produktion und Dienstleistungen auslagern, immer stärker in Billiglohnländer in Asien, Afrika, Lateinamerika oder Osteuropa. Um Unternehmen anzulocken unterbieten sich Staaten gegenseitig.

Die Wanderausstellung „Global arbeiten, global handeln!“ porträtiert arbeitende Menschen aus verschiedenen Ländern und Branchen und setzt ihre Arbeitswelten in Beziehung. Beispiele zeigen, wie sich Arbeitnehmende global vernetzen und gegenseitig stärken können.

Außerdem vermittelt die Ausstellung Informationen über die Möglichkeiten, wie Arbeitnehmende gemeinsam mit Gewerkschaften, Mitgliedern von Betriebsräten und NGOs auf der ganzen Welt globale Strukturen verändern können, welche Handlungsmöglichkeiten Mitglieder von Betriebsräten und Gewerkschaften haben und wie dadurch alle profitieren.

Stefan Hörtenhuber vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ging in seinem Vortrag zum Thema „Nachhaltigkeitsbewertung – CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln“ auf die Bewertung von Treibhausgasemissionen und den Beitrag dieser Emissionen auf den Klimawandel sowie auf die Konsumenteninteressen ein. Konsumenten sind über Klimaänderungen besorgt und motiviert, etwas für den Klimaschutz zu tun. Leider fehlen häufig Informationen und Empfehlungen, was dann zu mehr Verwirrung als Orientierung führen kann. Fast zwei Drittel der Konsumenten seien einer Umfrage zufolge bereit, mehr Geld für klimaschonende Lebensmittel auszugeben.

In Bezug auf internationale CO2-Labels stellte Hörtenhuber fest, dass es sehr viele unterschiedliche Kennzeichnungen und Kategorisierungen gibt, die aufgrund verschiedener Erhebungsmethoden kaum vergleichbar sind. Viel Raum wurde den Ausführungen zur CO2-Bilanzierung gewidmet, die eigentlich richtiger Weise CO2-Äquivalentebilanzierung heißen müsste. Denn neben CO2 sind vor allem Lachgas (N2O) und Methan (CH4) relevante Gase, die zum Klimawandel beitragen.

Als wesentliche Emissionsquellen wurden Beispiele für die Vorleistungen für die Landwirtschaft, die landwirtschaftliche Produktion selbst sowie der Transport, die Lebensmittelverarbeitung und -verpackung genannt. Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass Bioprodukte eine nach wissenschaftlicher Bewertung bessere CO2-Bilanz aufweisen als vergleichbare, konventionelle Produkte. So sind die CO2-Bilanzen bei Milchprodukten um 10 bis 21 Prozent, bei Weizenbrot um 25 Prozent und bei Gemüse um 10 bis 35 Prozent besser.

Hinsichtlich der Vor- und Nachteile der CO2-Äquivalente-Bewertung stellte der Vortragende fest, dass die Streubreite der CO2-Werte groß sei, es noch keine Standardisierung bei wichtigen Stellgrößen gebe und Umweltfaktoren wie der Wasserverbrauch nicht erfasst würden. Die Vorteile sieht er unter anderem in der Sensibilisierung der Kunden und den Erfolgen bei betriebsinternen Optimierungsstrategien.

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe bot sich die Ausstellung „Das Bild der Anderen. Irrwege des Betrachtens“ an. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Forschungsseminars unter der Leitung von Walter Schicho am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien. Die Ausstellung wurde mit einleitenden Worten von Walter Schicho und Stefan Ossmann eröffnet und von Februar bis März 2012 im OeAD-Haus gezeigt.

Die Ausstellung kam zustande als Horizont3000 im Jahr 2009 in ein neues Bürogebäude übersiedelte. Zahlreiche Bilder über Entwicklungszusammenarbeit mussten archiviert und geordnet werden. Teile der Bilder übernahm eine Projektgruppe der Internationalen Entwicklung, die sich im Sommersemester 2010 mit dem Bildmaterial auseinandersetzte. 14 Bilder wurden ausgewählt. Die Projektgruppe interessierte, was Menschen aus Österreich über diese Bilder denken und sagen und wer in ihren Augen dargestellt wird und auch, welche Klischees, Rassismen, Vorurteile und Werthaltungen beim Betrachten reproduziert werden. Menschen unterschiedlichen Alters wurden befragt. Die Aussagen und die dabei verwendeten Begriffe werden in Begriffswolken auf den 14 Bildtafeln anschaulich dargestellt.