Umfrage zu Globalisierung auf der 23. KGZE

Wir, Gerhard Schnugg und Alexandra Magnes, haben eine Umfrage über Globalisierung bei der 23. KGZE (Konferenz gewerkschaftlicher Zusammenarbeit in Europa) gestartet, um Gemeinsamkeiten bei den elf teilnehmenden Ländern zu finden.
Dabei haben wir folgende Fragen gestellt:
> Wo bemerkt man Globalisierung im eigenen Land?
> Bemerken Sie Globalisierung an Ihrem Arbeitsplatz?
> Was wünscht man sich von der Gewerkschaft im eigenen Land in Bezug auf Globalisierung?
> Warum nehmen Sie an der KGZE teil?
> Sind solche Konferenzen (wie die KGZE) hilfreich für Ihre Arbeit?
Die häufigsten Antworten, die sich zum Großteil überschnitten haben, waren: Globalisierung ist in allen Lebensbereichen zu bemerken, speziell aber in  Kultur- und Wirtschaftsbereichen aber auch schon beim täglichen Einkauf. Ausländische Billigwaren überschwemmen die heimischen Märkte.
Positiv wird dabei gesehen: die Toleranz zwischen den Nationen, die Kooperation, die langsame Angleichung der Arbeitsgesetzgebung an internationale Standards, erweiterter Absatzraum für Firmen, Zu- bzw. Abwanderung von Arbeitskräften.
Bedenken gab es allerdings dadurch, dass Globalisierung die eigene Kultur und Identität schwächt und Auswirkungen auf die nationale Wirtschaft hat (Arbeitsbedingungen, Arbeitsmarkt, Arbeitsgesetzgebung, Grundstücksverkauf, Zweitwohnsitze…). Ebenso wurde auf die Abwanderung von Betrieben und auf Lohndumping durch mehr Arbeitskräfte hingewiesen. Da große Projekte meist von ausländischen Unternehmen durchgeführt werden, die Ihre eigenen, oft billigen, Arbeitskräfte mitnehmen. Globalisierung hat Monopole gestärkt und dadurch kleinere Unternehmen zerstört. Sie birgt große Risiken für kleine Staaten. Der Mensch ist nur mehr ein Werkzeug der Produktion.
Jedoch gute Bedingungen für ausländische Investoren, vor allem für multinationale Unternehmen die großes Interesse haben an Telekommunikationsunternehmen, Banken, …… diese Unternehmen sind aber nicht an anderen Produktions- oder Dienstleistungssegmenten interessiert.
Globale Strategien von transnationalen Konzernen werden auf lokaler Ebene ausgeübt. Die Folge davon ist, dass Arbeits- und Sozialstandards der Beschäftigten mehr und mehr abhängig sind, von Entscheidungen, die außerhalb des Landes getroffen werden. Ebenso werden Märkte immer wieder in billigere Länder verlagert. Der Mensch ist zweitranig geworden, wichtiger ist der Profit.
Viele Gewerkschaften arbeiten mit Arbeitnehmern zusammen die schon außerhalb des Landes arbeiten oder arbeiten möchten. Kontakte mit Gewerkschaftsmitgliedern aus multinationalen Unternehmen herzustellen, deren Situation oft sehr schwierig ist, ist oft so gut wie unmöglich. Die tägliche Arbeit der Gewerkschaftssekretäre wird mit einer Unzahl von neuen Themen bereichert aber auch erschwert (Übernahmen, Fusionen, Verlagerung von Produktionsstandorten, massive Entlassungen…..) als Ergebnis der weltweiten Umstrukturierung. Dabei sind Mitgliedschaften in IGB, EBR,… und vor allem gewerkschaftliche Zusammenarbeit und regelmäßige Treffen sehr von Vorteil.
In manchen Ländern ist kaum eine Veränderung zu spüren wenn es um so wichtige Bereiche wie den Kinderschutz geht, dieser wurde zum Großteil auf NGO´s übertragen. Einige wenige Unternehmen haben eigene Kinderbetreuungsplätze eingerichtet.
Was wird von den Gewerkschaften erwartet:
> Gewerkschaften sollten sich der Auswirkungen der Globalisierung auf dem Arbeitsmarkt bewusst sein und in der Lage sein auf die Herausforderungen zu reagieren. Aktionspläne entwickeln, positive Effekte betonen und negative verringern.
> Solidarität auf nationaler und internationaler Ebene wird gefordert.
> Internationale gewerkschaftliche Hilfe für Staaten die sich in einer schwierigeren Phase befinden.
> Aufruf zum Ausbau der gesetzlichen Rahmenbedingungen, Umweltschutz, Stärkung der sozialen Verantwortung von Unternehmen ebenso aber auch die Nationalitätserhaltung.
> Mehr Information über Globalisierung (durch Medien) an alle Arbeitnehmer.
> Zusammenarbeit mit NGO´s im eigenen Land, europaweit und international um Netzwerke zu schaffen und Alternativen zu suchen, um gegen negative Aspekte der Globalisierung, vor allem auf Arbeitsplätze, entgegen zu wirken.
> Trend der „abnehmenden Arbeitsrechte“ stoppen!
> Lösungen der Fragen der Arbeitslosigkeit, bessere Verhandlungsbasis in ausländischen Betrieben und die Anerkennung der Arbeitsrechte des jeweiligen Staates.
> Schutz des eignen Staates vor illegalen Zuwanderern, ebenso deren Schutz vor Ausbeutung und katastrophalen Arbeitsbedingungen und Löhnen.
> Sich für gleichen Stellenwert von Sozial- und Wirtschaftspolitik einsetzen.
> Organisieren der jüngeren Generation!
> Die Angst des Arbeitsplatzverlustes, ebenso mangelndes Interesse machen es oft schwierig größere Kampagnen zu organisieren. Auch dagegen müssen die Gewerkschaften kämpfen.

Warum nehmen ich teil?
> Erfahrungen aus zu tauschen und die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene zu verstärken.
> Aktualität der Themen bei der KGZE können uns bei Fragen im eignen Land helfen.
> Austausch mit anderen TeilnehmerInnen ist sehr wichtig  (wurde von jedem/er TeilnehmerIn erwähnt).
> Horizont der TeilnehmerInnen erweitern und zu sensibilisieren auch auf Probleme in den Gewerkschaften der anderen Länder.
> Erfahrungsaustausch durch Arbeiten mit ähnlichen Problemen und diese zu diskutieren .
> Die Kraft der „europäischen Familie“ zu spüren!
> Einen Blick auf die anderen Situationen werfen und vergleichen.
> VertreterInnen aus anderen Bereichen zu treffen und ihre Standpunkte zu hören.
> Bekanntschaften machen die nützlich und hilfreich sein können für die eigene weiter Arbeit.

Hilfreich für meine Arbeit, da:
> Laufender Überblick über aktuelle Tendenzen und Herausforderungen und Wirklichkeiten der europäischen Arbeitnehmerschaft.
> Informationen!
> Aufarbeitung von Erfahrungen oder bewährter Praktiken und diese dann an Kollegen weitergeben.
> Offene Diskussion zwischen Ost- und Westeuropäischen Ländern, größeres Verständnis zwischen den verschiedenen Akteuren zum sozialen Dialog.
> Erfahrungen von anderen, im eigenen Bereich (z.B. Kinderschutz) sammeln.
> Diese Erfahrungen im Verhandlungen nützen.
> Großes Interesse an Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft…als ReferentInnen.
Es war für uns sehr überraschend, so viele Gemeinsamkeiten zu finden. Ebenso haben wir die Wichtigkeit auch solcher Treffen sehen können, die keine Beschlussfassung haben. Das Wichtigste ist der Austausch und der persönliche Kontakt zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, der auch nach der Konferenz weiter besteht.